Das Ruhrpott-ABC

Ruhrpott-Deutsch ist gespickt mit diversen sprachlichen Besonderheiten. Dabei steht nicht die grammatikalische Korrektheit im Vordergrund. Auch zeichnet sich der Ruhrgebietler in seiner Wortwahl nicht durch dezente Hinweise "durch die Blume " aus. Man ist direkt und geradeaus.

Hier die wichtigsten Grundregeln:

1. "Was" und "das" werden zu "wat" und "dat". Wer diese Grundregel nicht beherrscht, fällt schnell auf.

2. Sparen Sie Zeit und Energie. Durch die Verschmelzung von Präposition und Artikel bleibt mehr für Wichtigeres. Hier einige klangvolle Beispiele: anne Bude, fürn Vatta, fürt Kläusken (in Hochdeutsch: am Kiosk, für den Vater, für den Klaus).

3. Gerne werden die Fälle miteinander verwechselt (z.B. mir und mich). Hier ein Beispiel: "Komm ma bei mich bei!"

4. Wenn man etwas tut, dann kommt ein "am" dabei. "Ich bin am essen" oder "Ich bin am trinken" etc. ... (statt "Ich esse" oder "Ich trinke")

 

Kleines Pott-Lexikon

A

abdackeln – hinfort gehen nach ausdrücklicher Aufforderung 

abklappern – systematisch nach etwas auf der Suche sein

Absacker - finales Getränk vor dem Heimgang nach einem gesellschaftlichen Zusammentreffen

Apparillo - imposanter, großer Gegenstand; ausdrucksstarker Begriff, der jegliche exaktere Beschreibung unnötig macht

 

B

baggern oder auch anbaggern - durch sprachliches Geschick versuchen, mit dem anderen Geschlecht in näheren Kontakt zu treten

Bammel haben – sich vor etwas fürchten

beömmeln – sich köstlich über etwas amüsieren

Bömmel - raffinierte, lauschige, golfballgroße Applikation auf/an Pudelmützen, Pullovern, Schals, Pantoffeln


C

Currywurst Pommes Mayo (CPM)– Nationalgericht im Ruhrgebiet. Eine Bratwurst an Currysauce mit Pommes frites und Mayonnaise

chaotisch - geht es bei uns nicht zu. Nur zu Brunftzeiten kann es etwas lauter werden

Chronik - Watt? Dat gibbet doch bei Facebook, oder?

 

D

dat – das

Döspaddel -tolpatschiger Zeitgenosse

Dötsche/ andötschen – eine Beule/ eine Beule verursachen

 

E

Ey – persönliche Anrede, ähnlich wie Hömma oder auch zum Ausdruck von Protest verwendet

(in) echt jetzt? – Bist Du (wirklich/ehrlich) sicher? Stimmt das auch?

 

F

Firlefanz – unnötiger Schnickschnack

Flimmerkiste – Fernseher, TV-Gerät

Fluppe/ Kippe – Zigarette

Fritten – Pommes frites

Fummel - Kleidungsstück

 

G

Glück auf! - Bergmannsgruß

Gummiadler – zähes Brathähnchen

 

H

Häppken – ein kleiner Snack

Hömma – zusammengefügtes „Hör mal“

 

I

i-Dötzken – Einschulungskind, Erstklässler

Is nich/ kannste knicken – fällt aus, kann nicht sein, gibt es nicht

 

J

Jau – ja, stimmt

(lass) jucken – mit Nachdruck deutlich machen, dass man sich bloß beeilen soll

Jöck, auf Jöck gehen – eine Kneipen/Discotour machen

 

K

Kumpel - nicht nur unter Tage

Käffken – Kaffee

kiebig – Zickenalarm!

Klüsen – Augen am Morgen

kniepig – geizig sein

 

L

Lalla – Musik

Lappen – Führerscheindokument in Papierform

Lauscher (aufstellen) – Ohren (zuhören)

 

M

Maloche – harte Arbeit (unter Tage)

mampfen – schnelle Nahrungsaufnahme

moppern – sich über etwas beschweren

Muckibude – Fitnessstudio

 

N

Nuckelpinne - Auto

Noppes - umsonst

 

O

ölen – stark schwitzen

Omma/ "Komma bei de Omma!" - Großmutter/ " Komm doch mal bitte zur lieben Großmama!"

 

P

Patte/ Kohle/ Schotter – Geld (Siehe auch Geldwerte im Ruhrpott)

Pommes Schranke – Pommes frites mit Mayonnaise und Ketchup

 

Q

quasseln – viel laut, schnell, reden.

 

R

Racker – junges, lebhaftes, freches Kind

Ratzefummel – Radiergummi

rappelvoll – überfüllte, voll besetzte Räumlichkeit

 

S

Samma – Abkürzung für „Sag mal“

"Schicht im Schacht!" - "Schluss mit lustig!", "Ende im Gelände!"

Schnüss/ Sabbel/ Rand – Mund

Steiger - Aufsichtsperson im Bergbau

Steigerlied - bekanntes Bergmannslied

Strom inner Tapete - Ärger zu Hause haben, der Haussegen hängt schief

Stulle – Butterbrot

 

T

Tanke – Tankstelle

töffte sein/ der, die, das Töften – etwas oder jemand ist schön, gut, klasse ("Du bist aber nen Töften!", Dats is aber töfte von Dir!")

Treter/ Galoschen – Schuhe

 

U

Unität – kurz für Universität

unter Tage sein - im Bergbau tätig sein

usselig – schlechtes Wetter

 

V

verticken – verkaufen

verfransen – sich verfahren, verirren

verklickern - etwas klarmachen, erklären; die Zielsetzung einer funktionalen Erläuterung steht im Vordergrund

 

W

wat – was

wullacken – schwer arbeiten

 

X

`n X für `n U vormachen - flunkern

XY-ungelöst – mit Schimanski wäre das nicht passiert

 

Z

zamma – kurz für „zeig mal“

Zappelbude - Disco

Zeche - Arbeitsstätte der Bergleute

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